Andere haben probleme psychologie

Und weil es das wichtigste Befürfnis ist, unseren Selbstwert zu erhalten", erläuterte Jacob. Probleme entstehen, wenn Macken sehr ausgeprägt sind, dann sprechen Psychologen von Persönlichkeitsstörungen. Besonders bekannt sind derzeit Narzissten — Menschen, die, teils aufgrund ihres fehlenden Selbstwertgefühls kompensativ, ihre eigenen Bedürfnisse für die wichtigsten halten und die überzeugt sind, einen Anspruch auf ihre Erfüllung zu haben.

Sie neigen zugleich dazu, andere zu manipulieren und abzuwerten.

Warum wir immer wieder dieselben Probleme haben

Ihren weniger narzisstischen Partnern können sie sehr zu schaffen machen. Eine verbindliche Beziehung auf Augenhöhe, eine erwachsene Beziehung also, meinte Jacob, sei mit ausgeprägten Narzissten eher nicht möglich. Ein Komplementär zu den Narzissten bilden die "Selbstunsicheren" und die "Dependenten". Sie fühlen sich ständig unsicher , wollen "an die Hand genommen werden" und lassen gerne andere ihre Angelegenheiten regeln.

Diese Gruppe habe eher gar kein Selbstwertgefühl, erklärte Jacob. Dies hindere sie, den eigenen Weg zu gehen. Niederlagen oder Hindernisse bringen sie leicht aus dem Takt, sie leiden darunter und können nur schwer damit umgehen. Auffällig laut seien sie, berichtete Jacob, stets mit einem anderen Drama beschäftigt, das sie vor anderen inszenieren wie auf einer Bühne.

Die meisten zwischenmenschlichen Konflikte werden durch Kränkungen ausgelöst. Bei den Opfern lösen sie ein komplexes Bündel aus Emotionen aus: Angst, Schmerz, Scham. In der Folge ziehen sich Gekränkte oft zurück. Falsch, sagen Psychologen. Aus dem Podcast Zeitfragen. Podcast abonnieren Vom Wahlkampf bis zur Walforschung — das Zeitfragen-Magazin von Deutschlandfunk Kultur hat den Rundumblick für Sie.

Beitrag Sendung Apple Podcasts Google Podcasts Spotify RSS Feed. Weil sie zeigt, dass wir empfindsam sind, dass wir durch bestimmte Dinge verletzbar sind", sagt die Psychologin Bärbel Wardetzki. Vor allem in Liebesbeziehungen. Dort ist fast jeder irgendwann mit Kränkung konfrontiert, dort verorten wir Kränkung in der Regel zuerst. Dort schlägt sie am härtesten ein, verwundet am meisten.

Aber nicht nur dort.

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Kränkungen sind allgegenwärtig. Davon zeugt eine ganze Reihe Fach- und Ratgeberliteratur, deren Umfang Jahr für Jahr wächst. Die Autorinnen und Autoren sehen in Kränkungen die häufigste Ursache zwischenmenschlicher Probleme — bei Paaren, in Familien und unter Freunden. Andere geben Rat für den Umgang mit Beleidigungen am Arbeitsplatz, analysieren Demütigung und Beschämung als Mittel der Politik, beschreiben sogar Terror und Krieg als Kränkungsreaktionen.

Was genau geschieht, bleibt oft schwer zu fassen. Von "destruktiven Energien" ist die Rede, von "komplexen Emotionen", von Angriffen auf Ehre, Würde, Wert. Was ist es, was hier verletzt wird? Bärbel Wardetzki hat sich in mehreren Büchern mit Kränkungen auseinandergesetzt. Also diese Dinge, die wir notwendig brauchen, um uns im Kontakt mit einem anderen Menschen wohlzufühlen.

Und die Kränkung zeigt: Da ist etwas in mir berührt, was sehr weh tut.

Bindungsangst: Das Nähe-Distanz-Problem: Spektrum der Wissenschaft

Eine Kränkung sei immer einer Mischung aus verschiedenen emotionalen Zuständen, erklärt Wardetzki: "Zum Beispiel fühlen wir uns ohnmächtig. Wir sind empört, dass der andere so mit uns umgeht. Wir sind zum Teil traurig, weil wir nicht anerkannt oder vielleicht verlassen werden. Psychologen zufolge tragen Kränkungen Züge von Angst, Schmerz und Scham: Angst, weil meist ein Gefühl von Bedrohung vorliegt.

Oft ist dabei nicht ganz klar, worin diese Bedrohung besteht. Sie geht aber — anders als bei Angst — mit einem tatsächlichen Schmerz einher. Daraus wiederum kann Scham resultieren. Denn wie soll man erklären, dass etwas schmerzt, das für andere oft gar nicht da ist? Psychologen, Evolutionsbiologen, Verhaltensforscher und Sozialwissenschaftler weisen seit Jahren darauf hin, dass soziale Beziehungen für Menschen überlebenswichtig sind, dass sie ein elementares Bedürfnis nach Kooperation und Verbundenheit haben.

Seit mehr als zwanzig Jahren erforscht er die neurobiologischen Grundlagen von Empathie und Motivation. Und wenn wir dann erleben, dass andere auf uns schauen und uns wohlwollend akzeptieren, so wie wir sind. Wenn wir Anerkennung, Wertschätzung erfahren und dann zugehörig sind zu einer Gruppe. Eine Kränkung hingegen sei für das Gehirn eine ziemlich komplexe Erfahrung, sagt Bauer.

Wenn ich jemanden dadurch kränke, dass ich ihn unfair behandle bei der Verteilung von Ressourcen, dann reagieren die Ekelsysteme. Die Schmerzsysteme des menschlichen Gehirns reagieren nicht nur auf zugefügten körperlichen Schmerz, sondern auch auf soziale Ausgrenzung und Demütigung. Nach einer Weile spielten die virtuellen Figuren allerdings allein. Im Blut von Menschen, die soziale Ablehnung erfahren, fanden Forscher zudem erhöhte Anteile entzündungsfördernder Botenstoffe, die Schmerzwahrnehmung weiter steigern.

Und dann fange ich an zu leben und stelle fest: Es ist nicht der Fall. Und dann bin ich halt erstmal gekränkt. Auch Psychologen um Franz Neyer und Christine Finn von der Universität Jena haben untersucht, wann eine Partnerschaft von Dauer ist. Die Pärchen blieben eher zusammen, wenn es ihnen gelang, ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Unabhängigkeit herzustellen.

Mit Bindungsangst fällt das schwerer. Guy Bodenmann, Paartherapeut und Professor für Klinische Psychologie an der Universität Zürich, spricht von einer selbsterfüllenden Prophezeiung : »Eine ängstliche Person sucht sich oft jemanden, der ihre negativen Erfahrungen bestätigt. Sie erwarteten bereits vor einer Beziehung, dass es nicht klappen würde, weil sie sich selbst nicht liebenswert finden.

Um diese Ängste zu überwinden, brauche es die innere Gewissheit, liebenswert zu sein — notfalls auch ohne Partner. Dazu benötigt man ein gesundes Selbstwertgefühl, und genau daran fehlt es Menschen mit unsicherem Bindungsstil. Gerade Ängstlichen empfiehlt Bodenmann deshalb, genau abzuwägen, mit wem sie sich einlassen. Unsichere Bindungen und ein schwaches Selbstwertgefühl gehen laut Bodenmann Hand in Hand.

Unsichere Menschen scheuen Konfrontationen: Sie sagen lieber zu allem Ja — aus Angst, den anderen zu verlieren. Menschen mit stabilem Selbstbewusstsein und sicherem Bindungsstil überstehen eine Trennung besser. Sicher gebundene Menschen können diesen Schmerz und Verlust schneller regulieren«, sagt Bodenmann.

Trennungen und andere Traumata könnten sich auch im Erwachsenenalter noch auf den Bindungsstil auswirken. Er ist zwar stabil, jedoch nicht für immer festgeschrieben. Laut Bodenmann kann er sich verändern, auch zum Positiven. Etwa, wenn eine Person mit einem ängstlich-ambivalenten Bindungsstil über viele Jahre in einer sicheren und guten Beziehung lebt: Dann könne die neue Erfahrung den alten Bindungsstil »überschreiben«.

Der Psychiater, Psychologe und Angstforscher Borwin Bandelow ist ebenfalls davon überzeugt, dass sich Menschen ändern können — er habe das immer wieder erlebt. Wir sind soziale Wesen und wollen all unsere Beziehungen aufrechterhalten. Brailovskaia: Das liegt daran, dass wir Face-to-face -Interaktionen gewohnt sind, bei denen wir direkt eine Reaktion bekommen, wenn wir etwas sagen.

Dazwischen liegt vielleicht mal eine kurze Denkpause, aber meist geht es Schlag auf Schlag. Mit dem Laptop, dem Smartphone, Social Media kommt da ein Medium dazwischen, das die Antworten verzögert. Das widerspricht unserer menschlichen Erwartungshaltung. Die soziale Verstärkung bleibt oft aus. Soziale Verstärker sind positive Rückmeldungen auf menschliches Verhalten.

Wenn ich zum Beispiel nett zu einem Menschen bin und dieser lobt mich dafür, hinterlässt das bei mir eine positive Emotion.