Machtbesessenheit psychologie

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Die Krankenkassen vermelden mehr Krankschreibungen als je zuvor. Besonders betroffen ist der Pflegebereich. Liegt das nur am neuen Meldeverfahren? Zudem hat die Staatsanwaltschaft des Nationalen Gerichtshofs eine Voruntersuchung wegen sexueller Nötigung eingeleitet. Die konservative Abgeordnete Nadine Dorries gibt ihr Mandat auf und lässt kein gutes Haar an ihrem Parteichef Rishi Sunak.

Im Sinne Foucaults gibt es Macht nur dort, wo Unterschiede zwischen Menschen bestehen, was letztlich bedeutet, es gibt Macht nicht als etwas Absolutes, sondern diese existiert nur in Beziehungen zwischen Menschen und diese sind etwa durch Hierarchien gekennzeichnet. Dabei ist es gleichgültig, wie freundlich und hilfsbereit diese Menschen vorher gewesen sind, denn es handelt sich dabei vermutlich um einen evolutionär begründeten Mechanismus, der mehr oder minder automatisch abläuft, wenn man nicht bewusst dagegen ankämpft.

Doch anstatt hilfsbereit, ehrlich und offen zu bleiben, werden sie nach dem Aufstieg in eine Machtposition allmählich herrisch und unzugänglich, sachliche Kritik wird nicht mehr als konstruktiv empfunden, sondern als Versuch einer Demontage der Machtposition. Andere MitarbeiterInnen werden als Konkurrenten identifiziert und behindert, wobei man sich zunehmend von seiner früheren Umgebung abgrenzt.

Allerdings kommen Menschen ohne ein gewisses Machtstreben selten in leitende Positionen, denn Kompetenz allein reicht in der Regel nicht aus, sondern sie muss auch anderen wahrgenommen werden. Grundsätzlich ist das Streben nach Macht etwas zutiefst Menschliche, denn Macht bedeutet immer auch ein wenig Freiheit und hilft einem dabei, wenn man Ziele verwirklichen will, die über die eigene Kraft hinausreichen.

Problematisch wird Macht erst, wenn die Selbstverliebtheit überhand nimmt. Wichtig ist es, die Distanz zur eigenen Person nicht zu verlieren undsich bewusst zu sein, dass viele Regeln, die vorher noch galten, mit einem Mal obsolet geworden sind. Wenn nämlich niemand mehr vorschreibt, woran man sich halten soll, stellt sich die Frage, woran man sich dann orientieren kann. Sie hatten die Möglichkeit, sich selbst überproportional zu bedienen.

Dann jedoch verminderte sich die Gesamtmenge des ausgezahlten Geldes zum Nachteil der übrigen Teamkollegen. Wie viel Autorität den Teilnehmern verliehen wurde, unterschied sich je nach Versuchsbedingung. Einige konnten nur über die Auszahlung an ein weiteres Gruppenmitglied verfügen, andere über die Auszahlung an drei. Das müssten Sie erst nachschlagen?

Ihr Chef vermutlich auch, aber er wird womöglich glauben, es zu wissen. Laut dem kalifornischen Sozialforscher Nathanael Fast ist Macht eng mit Selbstüberschätzung verknüpft. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, gegen einen Einsatz von jeweils einem Dollar verschiedene Fragen zu beantworten.

Macht und Führung: Teamdynamik im Schatten machtbesessener Führung:

Lagen sie falsch, war ihr Einsatz dahin. Kannten sie die Antwort, bekamen sie jedoch das Doppelte ausgezahlt. Je höher ihre berufliche Position, desto eher waren die Probanden bereit, sich den Aufgaben zu stellen, und das, obwohl die Versuchsleiter stets betonten, im Schnitt könnten nur rund 20 Prozent der Kandidaten die Fragen korrekt beantworten.

Zwar wussten die ranghöheren Teilnehmer auch nicht mehr als die rangniedrigeren, doch vertrauten sie stärker in ihre eigene Bildung — mit dem Resultat, dass sie am Ende mit weniger Geld nach Hause gingen.

Paradoxon der Macht

Interessanterweise zeigte sich dieser Effekt jedoch nur dann, wenn die Probanden zuvor nach ihrer beruflichen Stellung gefragt wurden, ihnen ihre Machtposition also während des Spiels bewusst war. Nur für den Fall, dass Ihr Chef mal fragt. Das Ergebnis gibt John Dalberg-Actons pessimistischer Sichtweise Recht: Je mehr Einfluss die Versuchspersonen hatten, desto unethischer wurden ihre Entscheidungen.

Unter den Probanden mit geringer Verfügungsgewalt wählte nicht einmal jeder Zweite mehr Geld für sich selbst und damit weniger für seinen Mitspieler. Insbesondere Teilnehmer mit hohem Testosteronspiegel , die den Betrag unter sich und drei anderen aufteilen durften und daher einen einflussreichen Posten innehatten, kassierten mehr für sich selbst ein.

Das Hormon und damit auch das Geschlecht erwiesen sich sogar als bedeutsamer als die Machtposition: Männer handelten deutlich häufiger zum Nachteil ihrer Mitspieler als Frauen. Zudem neigen Führungspersonen offenbar verstärkt zur Doppelmoral. Der Sozialpsychologe Joris Lammers von der Universität zu Köln zeigte gemeinsam mit Kollegen, wie die gesellschaftliche Position moralische Urteile verändert.

Um das Machtgefühl ihrer Versuchspersonen zu beeinflussen, wandten die Wissenschaftler ebenfalls die Priming-Methode an: Das Team rief den Probanden zunächst entweder zuvor erlebte Ereignisse in Erinnerung, bei denen sie sich machtlos oder machtvoll gefühlt hatten. Bei der Steuererklärung zu schummeln? Das Tempolimit zu übertreten? Die Hälfte der Teilnehmer sollte angeben, wie akzeptabel diese Verhaltensweisen für sie selbst seien, bei den übrigen bezogen sich die Fragen hingegen auf eine fremde Person.

Die Ergebnisse waren alarmierend. Für ihr eigenes Verhalten legten die Probanden wesentlich laxere Kriterien an als für das anderer — sofern sie zuvor einem Macht-Priming unterzogen worden waren. Wer sich hingegen als machtlos erlebt hatte, fällte über sich und andere ähnliche Urteile. Manchmal bewerteten diese Versuchspersonen ihre eigenen Verfehlungen sogar härter als die ihrer Mitmenschen.

Mit den tückischen Nebenwirkungen der Macht kennt sich womöglich niemand so gut aus wie der Psychologe Philip Zimbardo von der kalifornischen Stanford University. Auf sein Konto geht das berühmt-berüchtigte Stanford-Prison-Experiment aus dem Jahr , in dem er mit Freiwilligen die Machtverhältnisse in einem Gefängnis simulierte. Per Münzwurf legten die Forscher fest, ob ein Proband Wärter oder Gefangener wurde.

Das Rollenspiel mündete schnell in echte Misshandlungen und musste abgebrochen werden. Trotz zweifelhafter Aussagekraft avancierte der Versuch zu einer der bekanntesten psychologischen Studien überhaupt. Als der Folterskandal im irakischen Abu-Ghuraib-Gefängnis durch US-amerikanische Wachen im Jahr weltweit für Entsetzen sorgte, rief man Zimbardo auf den Plan.

Er sagte als Gutachter im Prozess gegen einen der Wächter, Ivan Frederick, aus. Dem US-Unteroffizier warf das Militärgericht zahlreiche Misshandlungen vor. Für die eine Hälfte der Studierenden hiess die vorgesetzte Person «Heidi», für die andere Hälfte «Howard». Abgesehen davon waren beide Lebensläufe und Charakteristiken identisch. Die Studentinnen und Studenten schrieben sowohl «Heidi» als auch «Howard» eine hohe Kompetenz zu.

Beide Geschlechter wollten gerne mit ihm zusammenarbeiten. Diese Studien zeigen, dass beruflicher Erfolg von Frauen zwar mit Anerkennung, aber nicht unbedingt mit menschlicher Sympathie verbunden wird. Um beliebt zu werden, ist eine Führungskarriere jedoch ohnehin ein völlig ungeeigneter Weg. Zentral ist, dass Frauen in ähnlichen Situationen sich austauschen und unterstützen, indem sie sich gegenseitig für einen Auftrag weiterempfehlen oder zur Erweiterung des beruflichen Netzwerks anderen Personen vorstellen.

Von entscheidender Bedeutung in der Organisation ist die Unterstützung durch die eigene Chefin oder den eigenen Chef. Erfolgreiche Frauen richten einen klaren Fokus auf die relevanten Erfolgsfaktoren für ihre Weiterentwicklung. Sie haben dabei immer auch die nächsthöhere Ebene im Blick und überlegen, was sie zum Erfolg ihrer Vorgesetzten beitragen können. Dies drückte die bereits erwähnte Intrapreneurin aus der Kommunikationsbranche treffend aus: «Jeder Chef wird euch zuhören, wenn ihr ihm helft, Geld zu verdienen!

Dies kann eine wohlwollend-kritische Freundin sein, die einen ähnlichen beruflichen Weg verfolgt, es können Arbeitskolleginnen und -kollegen sein, mit denen sich Frauen regelmässig austauschen können. Manche pflegen diesen Austausch auch systematisch und strukturiert im Rahmen einer kollegialen Fallberatung: Sie treffen sich mit Gleichgesinnten und bringen ein konkretes Anliegen vor.

Die Kolleginnen dienen dabei als Sparring-Partnerinnen, die mit Fragen, Ideen und eigenen Erfahrungen zur Lösungsfindung beitragen. Als Beispiel hierfür kann das deutsche Berufsnetzwerk MastermindGroups dienen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wäre ein weiteres wichtiges Thema für sich, zumal Mütter auch heute noch vielfach zwischen schlechtem Gewissen und beruflichen Ambitionen hin- und hergerissen sind.

Bereits junge Frauen tun deshalb gut daran, von ihren Lebenspartnern zumindest eine egalitäre Rollenverteilung einzufordern.